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Zombiekiller

Annika Büsing, 2018

Es beginnt so:
–Kann ich dir was zu trinken ausgeben?
–Nein, danke, wir wollten grad los.
–Wohin wolltest du denn?
–Nach Hause.
–Wie langweilig!
–Was trinken mit dir wäre natürlich aufregender.
–Klar!
–Klar.
–Kann ich dir was zu trinken ausgeben?
–Nein, ich geh nach Hause.
–Denk mal nach! Das wirst du später bereuen! Du wirst alt sein und denken: Warum bin ich nicht geblieben?
–Ich bin ganz sicher.
–Wie heißt du?
–Leni.
Er gibt mir die Hand.
–Ich bin Nico. Ich würde dir gerne was zu trinken ausgeben.
–Ich glaube, das hast du schon gesagt.
–Sag ja!
–Und wenn du mich langweilst?
–Dann gehst du einfach! Ich langweile dich nicht.
–Wie kannst du da so sicher sein?
–Wenn ich dich langweilen würde, wärst du schon längst weg.
–Na schön, sage ich.
–Zwei Moscow Mule, sagt er zum Barkeeper. –Hast du einen Freund?
–Nein.
–Ist nicht so klug von dir, mir das zu erzählen. Jetzt mache ich mir Hoffnungen.
–Oh, keine Sorge, du bist nicht mein Typ.
–Bin ich nicht?
–Nein.
–Was stört dich? 
–Du hältst dich für den Geilsten.
–Und? Du willst doch den Geilsten.
Ich lache.
–Im Ernst: Sag mir, ob ich eine Chance bei dir habe!
–Warum? Gibst du tatsächlich auf, wenn ich nein sage?
–Punkt für dich.
Er trinkt einen Schluck. Stellt das Glas ab. Sieht mich an.
–Erzähl mir, was du tust!
–Ich kaufe immer mehr Obst, als ich wirklich essen mag. Ich räume meine Socken in den Schrank, ohne sie ineinander zu falten. Ich tanze durch die Wohnung, wenn ich Bock hab.
–Was machst du mit dem Obst, das über ist?
–Ich nehme es mit zur Arbeit.
–Weil du es nicht wegwerfen kannst.
–Essen wegwerfen ist ne üble Sauerei.
–Ich werfe manchmal Essen weg.
–Natürlich.
–Ich bin nur selten zuhause und dann gehe ich einkaufen und habe keinen Plan und dann kaufe ich irgendwie alles. Oder nur ein Eis.
–Welche Sorte?
–Capri meistens.
–Hast du ein schlechtes Gewissen?
–Wenn ich Essen wegwerfe? Ja.
–Was macht dir noch ein schlechtes Gewissen?
–Nichts. 
–Nichts. Was für ein sonniges Dasein!
–Bist du so jemand, der immer hadert?
–Nur mit dir.
–Musst du nicht. Schau mal, ich bin ganz aufrichtig zu dir. Du bist irre hübsch. Ich küsse den Boden, auf dem du gehst. Und ich setze alles daran, dass du mit mir nach Hause gehst. Auch, wenn ich nicht dein Typ bin.
–Wenn ich mir dir nach Hause gehe, verpasse ich vielleicht den Typen, der mein Typ ist.
–Dir ist schon klar, dass das kein Argument ist, oder?
–Ist es nicht? Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach?
Er grinst.
–Es ist einfach nicht wahr.
–Was ist nicht wahr?
–Dass ich nicht dein Typ bin. Außerdem wolltest du nach Hause gehen. Da wartet nicht der Typ, der dein Typ ist. Außer, du hast gelogen und doch einen Freund.
–Würde dich das bremsen?
–Sicher. Aber denk dir jetzt keinen mehr aus! Der Zug ist abgefahren.
–Nico, mir ist schon klar, dass du keinen Zweifel daran hegst, dass ich insgeheim dem Moment entgegenfiebere, in dem du mir mein Shirt über den Kopf ziehst. Ich bin mir sicher, dass die Masche meistens zieht, aber Fakt ist: Ich trinke jetzt dieses Glas leer und dann gehe ich nach Hause. Alleine.
–Na schön. Sag’s mir!
–Was?
–Was ist dein Typ?
–Ich mag Typen, die einen eigenen Kopf haben. Style.
Er dreht sich halb um.
–Okay, das da hinten, der in dem blauen Pulli, das ist Paul. Ist der dein Typ?
–Ist er klug?
–Sehr klug.
–Hat er Humor?
–Ja, hat er.
–Ich müsste ihn mal in Bewegung sehen. Aber könnte sein, dass er mein Typ ist.
–Soll ich ihn herholen?
–Mache ich auf dich den Eindruck, ich sei irgendwie unausgeglichen?
–Ich will nur nicht, dass du den Typen verpasst, der dein Typ ist.
–Du willst dich aufspielen.
–Das ist wahr. Siehst du, wie verzweifelt ich bin?
–So schlimm?
–Na ja, dein Glas ist fast leer.
–Ist das ein gutes Zeichen, dass du lächelst? 
Er wendet sich an den Barkeeper. –Ist das ein gutes Zeichen, dass sie lächelt?
–Ich bin geneigt, mit dir zu schlafen, damit endlich die Klappe hältst.
–Das reicht mir nicht. Ich will, dass du mich gern hast. Deinen Enkeln von mir erzählst.
–Wo bist du, wenn ich Enkel hab?
Er grinst.
–Du hast dich verraten, sage ich. –Du hast vorhin nen Satz vergessen: Du bist irre hübsch. Ich küsse den Boden, auf dem du gehst. Und ich setze alles daran, dass du mit mir nach Hause gehst. Und vorm Frühstück musst du bitte weg sein.
–Willst du bleiben zum Frühstück?
–Was frühstückt Paul denn so?
–Okay, das habe ich verdient.
Ich trinke mein Glas leer.
–Mach’s gut, Nico, sage ich und nehme meine Jacke vom Barhocker.
–Du kannst jetzt nicht gehen.
–Doch.
–Geh nicht!
–Doch.
–Dann nimm mich mit!
–Nico, ich will nicht eine von vielen sein.
–Dann sei es nicht!
Wir sehen uns in die Augen.
–Ich werde meinen Enkeln von dir erzählen, sage ich und gehe.

Mia fängt mich ab. Auf dem gesamten Rückweg rauft sie sich die Haare.
–Du bist Fledermausscheißverrückt! Leni! Ernsthaft! Du hast den echt stehen lassen? Was stimmt denn nicht mit dir?
–Fledermausscheißverrückt?
–Du könntest dich jetzt mit dem über den Schlafzimmerboden wälzen!
–Vielleicht will ich mich nicht wälzen.
–Dann knallen. Auf dem Bett von mir aus.
–Ich komme schon klar.
–Es geht nicht um klarkommen! Es geht um Sex. Um Befriedigung. Nackte Haut, Hände überall, Stöhnen, Hingabe… Mal ehrlich, du schleppst nur Typen an, die irgendeine Beschädigung haben. Wenn überhaupt. Wann hattest du überhaupt das letzte Mal Sex, hm? Und außerdem ist er total dein Typ.
–Ist er mein Typ?
–Leni! Strahlegrinsen, Bart, Wuschelhaare, Unterarme, vom Herrn im Himmel persönlich designt… Und du lässt den stehen! Wahnsinn.
–Taxi?
–Klar Taxi. Wirklich, Liebes, du hast sie nicht mehr alle.
–Ist ja gut jetzt.
–Ich mache was mit mit dir! Du könnest dich jetzt auf dem Schlafzimmerboden wälzen. 
Sie wendet dich an den Taxifahrer. –Sie könnte sich auf dem Schlafzimmerboden wälzen!
–Ist gut jetzt!
–Fledermausscheißverrückt bist du.
–Was immer das bedeutet.
–Was immer das bedeutet.

Zwei Wochen später bekommt sie die Gelegenheit, noch einmal zu unterstreichen, wie fledermausscheißverrückt ich bin. Wir treffen ihn wieder. In der gleichen Bar.
Er kommt an unseren Tisch. Er trägt eine Lederjacke.
–Leni!
–Nico.
–Was bist du für ein übler Schmarotzer!
–Ich?
–Du klaust deiner Freundin all ihre Zeit. 
Er gibt ihr die Hand. –Wie heißt du?
–Mia.
–Du klaust Mia all ihre Zeit. Mia, hat sie dir gesagt, dass ich auf sie stehe?
–Ich hatte es schon wieder vergessen, sage ich.
–Hat sie nicht, sagt Mia.
–Ich stehe auf sie, sagt er.
–Nicht zu verkennen.
–Sie will es nicht wahrhaben. Und jetzt klaut sie dir deine Zeit.
–Nico, Mia ist freiwillig hier.
–Bestimmt ist sie das. Aber wenn du ein bisschen einsichtiger wärst und ein bisschen weniger hartherzig und mir nicht die kalte Schulter zeigen würdest, dann würde sie vielleicht gerade mit dem Hottie flirten, der da hinten in der Ecke sitzt. 
Sie dreht sich um.
–Leni, sagt er. –Hab doch ein Herz!
–Wie kann man so dreist sein wie du?
–Ich warte jetzt seit zwei Wochen darauf, dass du mir diese Frage stellst.
–Hast du dich vorbereitet?
–Ja, hab ich.
–Ich bin gleich wieder da, sagt Mia und steht auf.
Er zieht sich einen Stuhl heran und setzt sich. Der Kellner bringt einen Moscow Mule.
–Du hast sie vergrault.
–Nein, sie geht, weil sie das mit uns genauso sieht wie ich.
–Nämlich?
–Wir sind füreinander gemacht.
–Was du für einen Scheiß redest!
–Um Kopf und Kragen, oder?
–Allerdings.
–Und das sagt dir nichts?
–Was soll es mir sagen?
–Ich mache das schon zum zweiten Mal. 
–Ich bin beeindruckt.
–Also, zu deiner Frage: Ich bin gar nicht dreist.
–Du bist nicht dreist?
–Dreist würde bedeuten, dass ich dir was aufzwinge, was du gar nicht willst.
–Wie ein Gespräch zum Beispiel?
–Zum Beispiel. Aber du willst ja, dass ich mit dir rede! Seien wir doch mal ehrlich! In neun von zehn Fällen ziehst du allenfalls eine Augenbraue hoch, wenn ein Typ mit dir redet. Und ich hab immerhin schon mal geschafft, dass du lächelst. Ja okay, das habe ich nicht vergessen. Ich hab zwei Wochen lang daran gedacht, dass du gelächelt hast. So einfach ist das.
Er schweigt.
–Hast du den Drink für mich bestellt?
–Ja, ich dachte, es ist besser, ich frag vorher nicht.
–Komische Politik für jemanden, der mir nichts aufzwingt, was ich gar nicht will.
–Willst du was Anderes trinken?
–Nein.
–Okay, pass auf. Machen wir es anders. Der Typ, auf den du stehst. Was würde der tun, wenn er ich wäre?
–Ich schätze mal, er würde weniger reden.
–Weniger reden?
–Ja, und zuhören vielleicht.
–Hey, ich höre dir zu, aber dann musst du auch mit mir reden.
–Vielleicht stellst du mir einfach mal eine Frage.
–Hm, also stell dir Folgendes vor: Heute Nacht, wenn du aus dieser Bar kommst, ist die Menschheit weitgehend ausgelöscht. Draußen laufen nur noch Zombies rum. Und die Leute, die aus dieser Bar rauskommen, das ist so die letzte Bastion.
–Du guckst häufiger „The Walking Dead“, nehme ich an?
–Jap. So jetzt kommt die Frage: Wo lebst du?
–In nem alten Leuchtturm.
–Du bist clever.
–Wo lebst du denn?
–Auf einem Motorboot.
–Nicht schlecht. Solange du an Benzin kommst.
–Klar.
–Hast du früher in der Schule manchmal gedacht, was wenn nur noch die hier im Klassenraum übrig wären, welche würde ich dann nehmen?
–Ja. Ich mache das immer noch.
–Ich auch.
–Wer wäre es jetzt gerade?
–Du, sage ich.
Er lächelt. 
–Also, wenn die Menschheit zu Grunde geht, dann ziehst du mich in Betracht?
–Kann man so sagen.
–Gemessen an dem, was du so raushaust, darf ich das als Kompliment betrachten, oder?
–Ja, darfst du. Und wenn dich ein Zombie angreift, würde ich dich auch retten.
–Was hast du für eine Waffe?
–Eine Machete.
–Straight. Ich stehe auf Flammenwerfer.
–Klar. Ein bisschen Show muss schon sein.
–Leni, lass uns hier abhauen! Wir sind füreinander gemacht. Sag einfach ja!
Ich trinke den Moscow Mule in einem Zug aus.
-Nico, ich hab, während wir hier reden, schon ein paar Mal gedacht, dass Sex eine Option ist. Du siehst, unabhängig davon, dass du nicht mein Typ bist, echt gut aus. Und vermutlich redest du beim Sex nicht, was dir gar nicht schlecht steht, und ich glaube tatsächlich, dass wir im Bett ganz gut harmonieren könnten. Also sollten wir zu dir gehen und Sex haben und ich bin vor dem Frühstück weg.
Er ist ein bisschen überrascht.
–Hauen wir ab, sagt er.

Seine Wohnung hat einen gewissen Stil. Coole Lampen hat er zum Beispiel. Ein großes Bücherregal. Und einen Plattenspieler. Er legt seine Jacke auf die Sofalehne.
–Willst du was trinken?
–Nachher vielleicht.
–Okay. 
Er setzt sich neben seine Jacke. Ich stehe neben dem Esstisch. Wir sehen uns an.
–Küsse ich dich oder küsst du mich?
Er hebt die Hände.
–Wie oft machst du das so im Monat?
–Kann ich nicht so genau sagen.
–Doch, kannst du.
–Es gibt keine Normalverteilung.
–Okay, sagen wir pauschal dreimal im Monat. Da muss es doch irgendein Protokoll geben! Was machst du, wenn du ne Frau mit dir herkommt? Küsst sie dich, küsst du sie? Oder stehst du gar nicht auf küssen?
–Ich stehe schon sehr auf küssen.
–Das ist ja schon mal ein Anhaltspunkt. Was noch?
–Ich mache Musik an.
–Okay.
–Wir trinken was, reden…
–Reden?
–Manchmal mehr, manchmal weniger.
–Worüber denn?
–Keine Ahnung! „Schöne Wohnung hast du.“, „Wohnst du schon lange hier?“ Irgendsowas.
–Schöne Wohnung hast du.
–Ja, haha, ich hab’s verstanden.
Er steht auf und macht Musik an. Dann steht er vor mir.
–Nico, du wirkst ein bisschen unschlüssig auf mich.
–Vielleicht bin ich beeindruckt.
–Wovon?
–Von dir.
–Sollen wir uns mal küssen?
Er neigt seinen Kopf zu mir, unsere Lippen berühren sich, wir küssen uns. 
–Besser?
–Es war nie schlecht.
–Lügner!
–Ich lüge nicht.
Er legt seine Hände um mein Gesicht beim Küssen.
–Was ist das für ein Song?
–Play God.
Ich lache.
–Hast du eine Playlist?
Er schließt die Augen.
–Ja, ich hab eine Playlist.
–Eine Sex-Playlist?
–Ja, wenn du so willst: eine Sex-Playlist. Ich höre sie aber manchmal auch so. Ohne Sex. Zufrieden?
–Okay. Willst du mir mein Shirt ausziehen?
–Ja, ich will dir dein Shirt ausziehen.
–Damit kann ich arbeiten.
Er zieht mir mein Shirt aus. Wir knutschen. Mia hatte Recht: seine Unterarme hat der HERR persönlich designt und seine Hände auch. Ich ziehe ihm sein Shirt aus.
–Gib mir deine Hände!
Ich gebe ihm meine Hände. Er fasst meine linke Hand mit seiner rechten und meine linke mit seiner rechten und hält sie über meinen Kopf und dreht mich, bis mit dem Rücken an seiner Brust lehne. Er küsst mich auf die Schulter, meinen Hals, seine Haare streifen mein Gesicht. So umschlungen schiebt er mich Richtung Schlafzimmer. Erst vor dem Bett dreht er mich wieder aus.
–Das ist dein move, oder?
–Gefällt er dir?
–Das war er echt?
–Na ja…
–Macht den Eindruck, als wenn du sanft wärst.
–Vielleicht bin ich das ja.
–Vielleicht.
Wir küssen uns wieder. Lassen uns aufs Bett sinken. Sieht so aus, als wenn es jetzt zur Sache geht. Er macht das dreimal im Monat (ohne Normalverteilung), er weiß schon, was er tut. Mia hatte Recht: Es geht um Sex. Um Befriedigung. Nackte Haut, Hände überall, Stöhnen, Hingabe…
–Eine Machete ist keine kluge Wahl, sagt er unvermittelt.
–Häh?
–Wenn du damit nen Zombie killen willst, bringst du dich echt in Gefahr.
Er stützt sich auf seine göttlich designten Unterarme und sieht mich an.
–Ich dachte, Kopf ab wär effektiv.
–Bei nem Zombie? Der läuft einfach ohne Kopf weiter. Und du musst viel zu nah ran, um ihn anzugreifen. 
–Na ja, ich hab ne Machetenlänge Abstand.
–Das ist zu wenig. Der packt dich.
Er legt seine Hand locker auf meine Kehle, um die Dramatik der Situation zu unterstreichen.
–Der kommt gar nicht an meinen Hals ran!
–Doch klar! Jede Wette.
–Nein!
–Okay, zeig’s mir!
Er steht auf und stellt sich neben das Bett.
–Ich bin der Zombie. Greif mich an!
–Machete?
Er öffnet den Kleiderschrank und gibt mir einen Kleiderbügel.
–Im Ernst?
–Greif mich an!
Ich muss lachen.
–Ich wusste nicht, dass Zombies oben ohne so sexy sind.
–Konzentrier dich jetzt!
–Okay, ich konzentriere mich.
Ich stehe auf.
–Komm auf mich zu! 
Er streckt die Arme aus und kommt auf mich zu. Ich hole aus und stoppe den Kleiderbügel, bevor er seinen Hals berührt.
–Nicht übel. Aber guck mal!
Er legt seine Finger an meine Schulter. –Wenn ich dich nur kratze, mutierst du. Keine Chance.
–Und du meinst, du erwischt mich noch mit deiner Zombieflosse?
–Leni, kratzen reicht! Das sind üble Mistviecher!
–Tja, musst du mit deinem Flammenwerfer vorbeikommen.
–Mach ich.
Er sieht mich an.
–Willst du vielleicht doch was trinken?
–Hast du Skrupel oder stehst du doch nicht auf mich?
–Ich wollte eigentlich nur wissen, ob du was trinken willst.
–Das mit der Machete war jetzt wichtig, ne?
–Ja, ich will halt nicht, dass dich der erstbeste geistlose Zombie um die Ecke bringt.
–Gemessen an dem, was du so raushaust, darf ich das als Kompliment betrachten, oder?
–Ich hab dir dauernd Komplimente gemacht. Du schmetterst die nur alle gnadenlos ab.
–Hab ich dir schon mal ein Kompliment gemacht?
–Wenn die Menschheit zu Grunde geht, ziehst du mich in Betracht.
–Hey, vorhin hab ich gesagt, du bist sexy ohne Shirt.
–Ich sehe, unabhängig davon, dass ich nicht dein Typ bin, gut aus.
Er sieht mich ziemlich harmlos an.
–Okay, ich sehe es ein.
–Dass du herzlos bist?
–Irgendwas sagt mir, dass du es überleben wirst.
–Sagst du so.
Ich gebe ihm die Machete zurück.
–Ich würde ein Bier nehmen, sage ich.

Er geht in die Küche und kommt mit zwei Flaschen Bier zurück. Dann sitzen wir auf seinem Bett, ich sitze, er liegt, ich ans Kopfende gelehnt, er auf einem Stapel Kissen. Das ist das seltsamste Date seit Erfindung der Dates. Es ist ja noch nicht mal eins. Es ist… ich weiß nicht, was es ist.
–Du bist übrigens nicht die Erste, die nein gesagt hat, sagt er.
–Ich hab nicht nein gesagt.
–Nein, nicht wörtlich.
–Ich hab auch nicht nein gemeint. Ich will schon mit dir schlafen, glaub mir mal.
–Warum?
–Warum?
–Ja, warum?
–Du hast ne große Klappe. Und ich mag deine Unterarme.
–Meine Unterarme?
–Ja.
–Du hast mir nicht geglaubt, oder? Als ich gesagt hab, dass ich an dein Lächeln gedacht habe?
–Kein Wort.
–Hab ich aber.
–Nico, dann hast du an mein Lächeln gedacht! Du hast in der Zeit trotzdem mit anderthalb Frauen geschlafen.
Er lacht.
–Ne, sagt er. –Es war nur eine.
–Und der hast du auch gesagt, dass du an ihr Lächeln gedacht hast.
–Nein, die kannte ich überhaupt erst einen Abend.
–Hast du den move gemacht?
–Nein.
–Wirklich nicht?
–Nein, das lief anders.
–Wie denn?
–Es wäre unfair, dir das zu erzählen, oder?
–Ein bisschen Skrupel hast du doch.
–Warum hältst du mich für so ein Arschloch?
–Tue ich nicht.
Er betrachtet mich nachdenklich von der Seite.
–Du willst nicht eine von vielen sein.
–Auf keinen Fall.
–Was ist so schlimm daran?
–Ich weiß nicht, ob das schlimm ist. Es reicht mir nur nicht. Ich will, dass du mich gern hast. Dass du deinen Enkeln von mir erzählst.
–Ich hab dich schon längst gern. Und ich gebe die Frage zurück: Wo bist du, wenn ich Enkel hab? 
Er stellt das Bier auf dem Nachttisch ab, richtet sich auf, sieht mich an. –Ich sag dir, wo du bist. Du hast nen Typen geheiratet, für den du die Einzige bist. Er ist vielleicht auch nicht dein Typ, aber du bist die Einzige für ihn.
–Könnte man doch schlechter treffen, oder?
–Ja, wenn dich nicht vorher ein Zombie gekillt hat.
Er fasst wieder an meinen Hals. Und dann küssen wir uns. Und dann schlafen wir miteinander.

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